„Wir verstehen gar nicht, warum sie gegangen ist – sie war doch eine unserer besten Mitarbeiterinnen.“
Diesen Satz hört man in Unternehmen immer wieder. Besonders dann, wenn eine engagierte, leistungsstarke Mitarbeiterin oder ein geschätzter Mitarbeiter überraschend kündigt.
Doch die entscheidende Frage ist nicht immer: Warum geht diese Person?
Manchmal lohnt es sich, eine andere Frage zu stellen: Warum wollte sie überhaupt gehen?
Menschen verlassen nicht immer das Unternehmen
Gehalt, Aufgabenbereich oder fehlende Entwicklungsmöglichkeiten können Gründe für einen Jobwechsel sein. Sehr häufig spielt jedoch auch die direkte Führungskraft eine entscheidende Rolle.
Denn Führung findet nicht auf dem Papier statt. Sie wird im täglichen Miteinander erlebt: in Gesprächen, Entscheidungen, Feedback, Anerkennung und im Umgang mit Fehlern.
Eine Führungskraft kann fachlich hervorragend sein und trotzdem Mitarbeitende verlieren. Wer beispielsweise wenig Vertrauen entgegenbringt, permanent kontrolliert, Anerkennung vermissen lässt oder Konflikte nicht anspricht, kann langfristig genau jene Menschen verlieren, die für das Unternehmen besonders wertvoll sind.
Gute Mitarbeiter:innen kündigen selten von heute auf morgen. Häufig geht einer Kündigung ein längerer innerer Prozess voraus.
Die Motivation sinkt. Engagement wird weniger. Gespräche werden kürzer. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, nimmt ab.
Und irgendwann fällt die Entscheidung: Ich möchte hier nicht mehr arbeiten.
Führung entscheidet über Bindung
Mitarbeiterbindung beginnt deshalb nicht erst bei Benefits, Teamevents oder der nächsten Gehaltsrunde. Sie beginnt im Alltag.
Wer das Gefühl hat, gesehen, gehört und ernst genommen zu werden, entwickelt eher eine langfristige Bindung. Dazu gehören regelmäßiges und ehrliches Feedback, klare Kommunikation, Vertrauen und die Möglichkeit, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln.
Dabei geht es nicht darum, Führungskräfte zu „Schuldigen“ zu machen. Führung ist komplex, und auch Führungskräfte stehen unter Druck.
Es geht vielmehr darum, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn gute Mitarbeiter:innen das Unternehmen verlassen, sollte deshalb nicht nur ein Exit-Gespräch stattfinden. Unternehmen sollten sich auch fragen: Was hat diese Person gebraucht, aber möglicherweise nicht bekommen? Was hätte früher erkannt werden können? Und welchen Anteil hatte die Führungskultur daran?
Die beste Mitarbeiterbindung beginnt vor der Kündigung
Professionelle Führung bedeutet nicht, jede Kündigung verhindern zu wollen. Menschen entwickeln sich weiter, verändern ihre Lebenssituationen oder suchen neue Herausforderungen. Das ist vollkommen legitim. Doch wenn sich Kündigungen guter Mitarbeiter:innen häufen, sollte genauer hingesehen werden.
Denn Mitarbeiterbindung ist kein HR-Projekt. Sie ist Führungsarbeit.
Bei ARTUS people & culture betrachten wir daher nicht nur die Besetzung einer Position, sondern auch das Umfeld, in dem Menschen langfristig erfolgreich arbeiten können. Dazu gehören die richtige Person, die passende Unternehmenskultur und Führungskräfte, die ihre Rolle als Gestalter:innen verstehen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
„Warum gehen unsere guten Mitarbeiter:innen?“
Sondern:
„Was können wir als Führungskräfte und Unternehmen tun, damit gute Menschen auch langfristig gerne bei uns bleiben?“
Denn manchmal beginnt die Suche nach einer neuen Mitarbeiterin genau dort, wo wir eigentlich die Bindung einer bestehenden hätten stärken können.